Generalkonsulat der Republik Türkei

Redetexte

„Klimaschutz in unserer Hand – Kultursensible Kommunikation zum Klimaschutz“ “İklimin Korunması Bizim Ellerimizde - İklimi Korumada Kültür Odaklı İletişim” konulu konferans, 22.10.2012


Verehrte Gäste,

Klimaschutz ist heutzutage eine der größten Herausforderungen für die Menschheit. Es ist mittlerweile lebensnotwendig, eine globale Lösung für das Problem des Klimawandels zu finden, denn er beeinflusst unsere Lebensgrundlagen und die Entwicklungschancen künftiger Generationen. In dieser Hinsicht haben wir keine Zeit mehr zu verlieren.

Wir wissen, dass die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen vom Schutz der Umwelt abhängen. Lösungen für Umweltprobleme zu finden ist heute von höchster Bedeutung. Probleme des Umwelt-und Klimaschutzes und ihre globalen Auswirkungen sind komplex und oft von sozio-ökonomischen Faktoren abhängig.

All diese Probleme, wie Wasser-und Luftverschmutzung, Rodung, Bodenerosion, der Verlust der Artenvielfalt, kennen keine Ländergrenzen: Es gibt Hochwasser in Asien, Hurrikans in Amerika, Dürre in Afrika und sinkende Pegel unserer Flüsse und Seen in Europa. Die Folgen der Erderwärmung machen keinen Halt vor unterschiedlichen Gesellschaften oder Kulturen. Sie sind alle gleichermaßen eine Bedrohung für die Sicherheit, Gesundheit und Produktivität der Menschheit.

In diesem Zusammenhang ist es daher äußerst wichtig, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Existenz dieser Problematik zu schaffen. Die Probleme können nur dann vernünftig angegangen werden, wenn alle beteiligten Akteure, wie der öffentliche und private Sektor, Nichtregierungsorganisationen und die Zivilgesellschaft Hand in Hand arbeiten.

Die Lösung globaler Umweltprobleme erfordert nationale Anstrengungen als auch internationale Zusammenarbeit, und zwar sowohl auf bilateraler als auch multilateraler Ebene, und die aktive Beteiligung aller Mitglieder der internationalen Gemeinschaft.

Auch die Türkei ist aktiv an internationalen Kooperationen beteiligt. Sie hat eine große Anzahl globaler und regionaler Abkommen unterzeichnet, um den Herausforderungen des Klimawandels begegnen zu können.

Der Klimawandel und die daraus resultierenden Effekte stellen eine Bedrohung für die politische, wirtschaftliche und soziale Stabilität dar, besonders in den trockenen, subtropischen, überbevölkerten und unterentwickelten Regionen der Welt. Gerade die am wenigsten entwickelten Länder sind aufgrund ihrer strukturellen Gegebenheiten, ihrer geringen Rohstoffvorkommen und Anfälligkeit für Naturkatastrophen am härtesten vom Klimawandel betroffen.

Verehrte Gäste,

man hat manchmal das Gefühl, dieses Thema sei relativ neu auf der internationalen Agenda. Dabei ist der Treibhauseffekt bei weitem kein neues Phänomen: Er ist der Menschheit seit mehr als 100 Jahren bekannt. Bereits in den 1850er Jahren stellte der britische Physiker John Tyndall fest, das Karbondioxid wie ein Wärmespeicher wirkt und somit die Erdoberfläche erwärmt. Bildlich gesprochen wirkt das CO2 also wie eine wärmende Bettdecke.

Im Jahr 1981 veröffentlichte der Wissenschaftler James Hansen einen Artikel im Science Magazine. Er bestätigte darin, dass sich die Erde im vergangenen Jahrhundert um 0,4 Grad Celsius erwärmt hat und dass diese Erwärmung auf den erhöhten CO2-Ausstoß zurückzuführen sei. Schon damals sagte Hansen voraus, dass die Auswirkungen der Erderwärmung weltweit in Form von Klimainstabilitäten sichtbar werden würden. Diese Voraussage hat sich bewahrheitet: Sie findet heute Ausdruck in Hitzewellen und extremen Dürren, in heftigen Stürmen, extremen Regenfällen und Überflutungen.

Visionen

Die Erde wird mittlerweile von 7 Milliarden Menschen bevölkert. Da ein anderer Lebensraum (noch) nicht zur Verfügung steht, müssen wir mit der Welt, in der wir leben, entsprechend sorgsam umgehen. Denn in was für einer Welt wollen wir leben? Für die Lebensqualität und ein würdevolles Leben sind intakte Ökosysteme und die Artenvielfalt in der Pflanzen-und Tierwelt unerlässlich. Sie sind die wichtigsten Grundlagen für viele natürliche Ressourcen, die für uns alle lebensnotwendig sind, wie zum Beispiel sauberes Wasser oder saubere Luft.

Wir Menschen möchten in einer Gesellschaft leben, in der Glück und Wohlstand, Recht und Ordnung, herrschen. Wir wünschen dies nicht nur für die kommenden Generationen, sondern auch für uns selbst. Wenn dies unsere gemeinsame Vision ist, was hält uns davon ab, hierfür die Verantwortung zu übernehmen und unsere Träume zu verwirklichen?

Current situation

Wie bereits erwähnt, wirkt mehr CO2 in der Atmosphäre wie eine zusätzliche Decke auf dem Bett. Es verringert die Wärmestrahlung von der Erde in den Weltraum, sodass ein zeitweiliges Energie-Ungleichgewicht entsteht. Die eintreffende Energiemenge ist höher als die ausgehende, bis sich die Erde genug erwärmt hat, um wieder so viel Energie abzugeben, wie sie von der Sonne absorbiert. Der Knackpunkt ist also das Energie-Ungleichgewicht der Erde. Ist die Einstrahlung in Zukunft weiterhin größer als die Ausstrahlung, wird sich die Erde weiter erwärmen. Dies wird auch ohne die Zufuhr weiterer Treibhausgase passieren.

Viele Wissenschaftler, so auch Peter Wadham, Professor für Ozeanische Physik an der Universität Cambridge, warnen seit Jahren vor dem Verschwinden des arktischen Eises und den daraus folgenden Konsequenzen. Seiner Erkenntnis nach würde ein sommerliches Verschwinden der arktischen Eisdecke einer Verdoppelung des CO2-Ausstoßes über 20 Jahre entsprechen. Weißes Eis reflektiert bekanntlich die Sonnenstrahlung, während dunkle Wasserflächen den größten Teil der Strahlung absorbieren. Je mehr Eis schmilzt, desto mehr Wärmestrahlung wird absorbiert, desto wärmer wird der Ozean, desto wärmer wird die Atmosphäre.

Auch der Direktor von Greenpeace International, Kumi Naidoo, befürchtet, dass der Nordpol während der kommenden Sommer eisfrei sein wird.

Der bereits erwähnte Wissenschaftler James Hansen beschreibt die gegenwärtige Situation als „Ausnahmezustand“ auf dem Planeten und warnt vor den katastrophalen Auswirkungen des Verbrauchs aller brennbarer Fossilien.

Auch andere Wissenschaftler beschreiben regelmäßig die offensichtlichen Folgen der Erderwärmung: wir erleben die wärmsten Sommer und Winter seit Anbeginn der Menschheit und die schlimmste Dürre in den letzten 50 Jahren.

In Folge einer intensiven Agrarwirtschaft sowie des durch die Nutzung fossiler Brennstoffe entstandenen CO2 hat sich die Methangasproduktion erhöht. Auch die Tierwirtschaft ist einer der größten Verursacher des Klimawandels, da in diesem Bereich hohe Mengen an Treibhausgasen erzeugt werden. Dies wurde schon im Jahr 2006 in einem Bericht der UN-Welternährungsorganisation bestätigt. Dies trägt in hohem Maße zur Erderwärmung bei.

Wenn sich der Klimawandel ungehindert fortsetzt, werden laut Aussage des Forschungszentrum DARA infolgedessen in 18 Jahren 100 Millionen Menschen ihr Leben verloren haben. 3,2 Prozent des weltweiten Bruttosozialproduktes werden ebenfalls verloren gegangen sein. Kleine Inselstaaten wie die Malediven, Kiribati oder Tuvalu werden in 10-20 Jahren evakuiert werden müssen.

Das OXFAM Institut hat erst im September darauf hingewiesen, dass die globale Erwärmung und die extremen Wetterbedingungen auch die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben werden. Diese werden bis zum Jahr 2030 voraussichtlich um 120 Prozent steigen.

Wissenschaftler zeigen sich extrem besorgt über diese rasante Entwicklung. Irgendwann wird ein Punkt erreicht sein, an dem eine Umkehr nicht mehr möglich sein wird. Deswegen ist hier und jetzt entschlossenes Handeln gefragt.

Einer der Hauptgründe für die Vermehrung der sich in der Atmosphäre befindlichen Treibhausgase ist jedoch unsere moderne Lebensart, die große Energieausgaben erfordert: Unsere unersättlichen Wünsche führen dazu, dass wir zu verschwenderisch mit den uns anvertrauten Gaben umgehen. Lassen Sie mich nur ein paar alltägliche Beispiele nennen:

Wir setzen uns in unser 2 Tonnen schweres Fahrzeug mit Allradantrieb, nur um uns 4 Kilometer entfernt eine 300-Gramm Pizza zu kaufen.

Wir transportieren Milch von Frankreich nach England oder Trinkwasser von den Fijis in die USA. Niemand fragt danach, was es kostet, bestimmte Güter von einem Winkel der Erde in den anderen zu transportieren. Wenn etwas billig oder einfach nur „schick“ ist, wird es gekauft und konsumiert.

Im Winter heizen wir unsere Häuser und Wohnungen auf Temperaturen, die es uns erlauben, zu Hause in sommerlicher Kleidung herumzulaufen.

Wir beschweren uns, dass lokale Produkte einfach verschwinden und einige Obst-und Gemüsesorten nicht mehr auf dem Markt zu finden sind.

Wir beschweren uns über die Flucht der Menschen in die Städte, über hohe Arbeitslosigkeit und über wirtschaftliche Krisen.

Mittlerweile beginnen wir jedoch zu erkennen, dass ein Zusammenhang zwischen unserem Verhalten und den in letzter Zeit vermehrt aufgetretenen Dürren und Fluten, Unwettern und Hitzewellen besteht. Es ist fast so, als ob wir die Welt neu entdecken würden. Wir beginnen uns zu fragen, wie viele Städte nicht an Luftverschmutzung leiden, wie viele saubere Flüsse noch geblieben sind oder welche Rohstoffe überhaupt noch vorhanden sind. Wann wird das Öl zu Ende gehen?

Erst langsam gelangen wir zu der Erkenntnis, dass einige Dinge ausschöpfbar sind, während andere Dinge erneuerbar sind. Infolgedessen versuchen wir jetzt beispielsweise, unsere Ressourcen bewusster zu verwenden und unseren Müll zu reduzieren. Gleichzeitig entwickeln wir neue Technologien, die sich auf die Nachhaltigkeit unserer Ressourcen konzentrieren.

Strategien

Wenn wir uns diese Gegebenheiten vor Augen führen, stellt sich die Frage nach Schritten, die jetzt notwendigerweise einzuleiten sind. Hierfür müssen wir zunächst die Gründe und die Auswirkungen des Klimawandels begreifen und in jeder Hinsicht vorbereitet und gerüstet sein. Einer der wichtigsten Punkte ist hierbei die dringend erforderliche Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen.

Um dem drohenden Klimawandel entgegen zu wirken, müssen wir auch unsere Energiepolitik überdenken. Erneuerbare Energien müssen ausgebaut und der Energieverbrauch verringert werden. Der nachhaltige Schutz unserer Umwelt ist ein Thema, dass alle Länder und Völker betrifft und letztlich nur in Zusammenarbeit erfolgreich umgesetzt werden kann.

Umwelt-und Klimaschutz ist nicht nur die Aufgabe der Politiker und der Wirtschaft. Jeder einzelne von uns kann und sollte auch etwas für den Umweltschutz tun. Durch unser Konsumverhalten und unser Verhalten im Alltag können wir einen wichtigen Beitrag leisten.

Auch die internationale Gemeinschaft muss ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel verstärken. Diese langfristig angelegten Bemühungen werden zu Entwicklung, Wohlstand, Frieden und Sicherheit auf unserem Planeten beitragen.

Es müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Weltbevölkerung, die Mitte des 21. Jahrhunderts die 9 Milliarden Marke erreicht haben wird, mit Nahrungsmittel versorgen zu können. Wenn wir die Dinge so lassen, wie sie sind, wird sich die Situation nicht zum Besseren wenden. Wir müssen unsere Erde erhalten, auch nachdem die brennbaren Fossilien aufgebraucht sind.

Prioritäten

Der Kampf gegen die dramatischen Folgen des Klimawandels beginnt im Kleinen, bei jeder Kauf-und Essensentscheidung, bei der Wahl zwischen Auto, Bus, Bahn oder Rad.

Wir müssen die politisch Verantwortlichen immer und immer wieder auf die Belange des Klimaschutzes aufmerksam machen und ständig ein Bewusstsein für die Existenz und die Dringlichkeit des Themas schaffen. Konferenzen wie die heutige tragen in hohem Maße dazu bei, Verantwortliche und Bürger über dieses wichtige Thema zu informieren. Jeder Bürger dieses Landes sollte über den Klimawandel Bescheid wissen und sich ermutigt fühlen, seinen Beitrag zu Umwelt-und Klimaschutz zu leisten.

Das Thema Klima-und Umweltschutz sollte daher auch in die Lehrpläne der Schulen aufgenommen werden. Man muss Lehrer und Schüler für die Anforderungen des Klimawandels sensibilisieren und für Lösungen motivieren.

Staatliche und andere Einrichtungen müssen in Forschungsprojekte investieren und die dabei gewonnenen Erkenntnisse anwenden.

Wir müssen Wege finden, um die aufgrund des Klimawandels gestiegenen Nahrungsmittelpreise zu subventionieren.

Die Vorkommen sauberen Trinkwassers müssen geschützt, effektiv genutzt und nicht verschwendet werden.

Es müssen Kampagnen gestartet werden, um unsere Wälder und Waldgebiete zu schützen.

Die Nutzung von Solar-und Windenergie muss weiter ausgebaut werden. Hierfür sind ebenfalls weitere Subventionen erforderlich.

Denn darum geht es beim Klimaschutz: um die Gestaltung der Zukunft unserer Erde und der Menschen, die darauf leben und leben werden. Wir tragen die Verantwortung für das Leben der künftigen Generationen auf diesem Planeten.